Intervention auf der Pride Week

Intervention auf der Pride Week

Pride-Week

 

Ältere Lesben und Schwule mischen sich ein

 

Am 3.8. fand im Pride House eine Informationsveranstaltung zum Thema „Ältere Lesben und Schwule mischen sich ein“ statt. Auf dem Podium saßen Bea Trampenau, vom Lesbenverein „Intervention“ und Sprecherin des Dachverbandes „Lesben und Alter“ und Georg Roth aus dem Vorstand von „BISS“.

Zunächst stellten beide Referierenden ihre Organisationen vor: der Dachverband Lesben und Alter“ besteht seit 2009 und ist das Ergebnis einer langjährigen Vernetzungsarbeit zwischen Akteurinnen aus verschiedenen Frauenprojekten und -institutionen und einzelnen Fachfrauen. Sein Ziel ist es, die Lebenslage von Lesben im Alter zu verbessern, ihnen Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation im Alter zu eröffnen und deswegen Einfluss auf die gesellschaftlich relevanten Institutionen zu nehmen. In ganz ähnlicher Weise will BISS Öffentlichkeit und relevante Institutionen für die Situation von Schwulen sensibilisieren. Ein großes Thema bei BISS sind zudem §175 und die noch ausstehenden Entschädigungen der danach Verurteilten und AIDS im Alter.

Für Lesben ist besonders Armut im Alter ein Thema. in viel größerem Maße als für Schwule. Dies spiegelt auch die allgemein gesellschaftliche Diskrepanz zwischen Männern und Frauen an diesem Punkt wieder; Frauen sind weitaus häufiger einem Armutsrisiko ausgesetzt als Männer es sind. Engagement für Lesben im Alter, das wurde an solchen Stellen deutlich, bedeutet eben auch sich für Frauen im Alter einzusetzen, bedeutet einen doppelten Kampf, den Schwule in dieser Weise nicht führen müssen.

Ein wichtiges Thema für beide Organisationen ist besonders der Bereich der Gesundheitspolitik, besonders der stationären Pflege, die im LGBT-Sinne kultursensibel fortgebildet werden muss. Dabei kann es auch darum gehen, dass Personal dafür zu sensiblen, dass jemand erst im Alter (manchmal auch als Folge von Demenz) seine bis zu diesem Zeitpunkt gelebte Heterosexualität zu Gunsten einer lesbischen oder schwulen Lebensweise aufgeben will. Für beide Referenten war klar: Die sexuelle Orientierung des Personals macht noch nicht ihre Qualifikation in solchen Fragen aus. Es bedarf also ganz spezifischer Fortbildungsarbeit und Schulung um die Situation in Senior*innenheimen zu verbessern.

Weiteren Handlungsbedarf sehen beide Organisationen bei der Schaffung von Wohnmöglichkeiten etwa in Wohnprojekten oder bei spezifischen Angeboten für Lesben und Schwule in der Senior*innenarbeit, die ein aktives Leben in einer Gemeinschaft ermöglichen. Gerade für Lesben und Schwule können im Alter gefährdet sein, gesellschaftlich isoliert zu leben. Bea Trampenau wies auf die Arbeit der Organisation „RuT“ in Berlin hin, die einen Besuchsdienst für Lesben eingerichtet hat, der dieser Isolation entgegenwirken will und der in Berlin damit eine große Nachfrage verzeichnet und sie sicher in jeder größeren Stadt hätte.

Lesbisch oder Schwul-Sein hört im Alter natürlich nicht auf, ein existentielles Merkmal der eigenen Identität zu sein. Kritischen Fragen, warum denn in Seniorenheimen auch noch Rücksicht auf Schwule genommen werden müsse, setzt Georg Roth entgegen, dass man auch im Alter selbstverständlich noch ein Recht hat, sich wohlzufühlen, dass es um mehr geht als nur um das Minimum von Versorgung. Dass man sich dann wohlfühlen kann, wenn man keinen Diskriminierungen ausgesetzt ist und zudem auch noch auf Menschen trifft, die einem selbst in einem wichtigen Punkt des eigenen Lebensentwurfes ähnlich sind. Vielleicht weil es tatsächlich verwunderlich ist, dass man manchen Menschen dies erst erklären muss, schloss Georg Roth seine Überlegungen dazu mit folgendem Bild: „Ich sage den Kritikern immer: Im Spanienurlaub wollt ihr doch erst mal mit dem Deutschen aus dem Hotelzimmer nebenan an der Würstchenbude stehen, um euch wohlzufühlen. Oder geht ihr sofort auf alle Spanier zu?“ Auch wenn dieser Vergleich eine Reihe von Fragen aufwerfen könnte: (wieso denn Würstchenbuden im Urlaub? Wie viele Tage zelebrieren wir denn die deutsche Vertrautheit an Würstchenbuden, bis wir es endlich schaffen, auf die Spanier zuzugehen? Werden wir danach mit Spaniern an Würstchenbuden stehen?) dass, wir alle uns dann wohlfühlen, wenn wir uns mit dem, was uns wichtig ist, sofort verstanden fühlen, müsste für jeden Menschen nachvollziehbar sein.

Keine Frage, dass diese Möglichkeit auch für Lesben und Schwule im Alter bestehen muss.

Dachverband Lesben und Alter: http://www.lesbenundalter.de/

Biss: http://schwuleundalter.de/

 

 

Refugees welcome – Rechtspopulisten im Aufwind

 

Bei der Veranstaltung „Refuggees welcome und Rechtspopulisten im Aufwind“, die am 03.8. von Intervention e.V. im Pride-House veranstaltet worden ist, haben besonders Heike Mews, Bea Trampenau (Intervention e.V.) und Conny Kerth (Bundesvorsitzende der VVN) darauf aufmerksam gemacht, in welcher Weise die AfD sich als rechte Kraft zu etablieren versucht, und inwiefern sie rechtes Gedankengut in unsere Gesellschaft hinein transportiert. In ihrem einleitenden Vortrag hat Heike Mews zunächst die allgemeinen Merkmale eines geschlossen rechten Weltbildes herausgearbeitet, wie etwa die Betonung der traditionellen Familie gegen individuelle Lebensentwürfe, die Nivellierung sozialer Strukturen zugunsten eines aggressiven Kapitalismus, die Diskreditierung von denjenigen, die aus verschiedenen Gründen, gesellschaftlich an den Rand gedrängt sind.

In ihrem Vortrag speziell über die AfD betrachtete dann Conny zunächst das Grundsatzprogramm der AfD genauer: Dies beinhalt zwar Elemente der direkten Demokratie, wie etwa die Forderung nach mehr Volksabstimmungen, gleichzeitig sollen diese aber mit einer Zurückdrängung des Parlamentes generell einhergehen. Was auf den ersten Blick nach mehr Demokratie aussieht, würde die demokratischen Prozesse enorm beschädigen. Die Forderung nach Volksabstimmungen wirft zudem die Frage auf, wer denn eigentlich nach dem Verständnis der AfD zu dem Volk dazugehört, das dann zur Abstimmung berechtigt ist. Das Parteiprogramm zeigt: Die AfD hat ein ‚deutsches Volk‘ vor Augen, das sich primär über Abstammung definiert Um dieses ‚Deutschtum‛ auch kulturell zu bewahren, fordert sie die deutsche Sprache als Staatssprache im Grundgesetz festzuschreiben . Conny Kerth wies zu Recht darauf hin, wie absurd eine solche Forderung ist, da sie suggeriert, es stünde irgendwie infrage, dass die deutsche Sprache als Amtssprache bleiben wird. Diese fingierte Bedrohung des Eigenen durch das Fremde schlägt sich besonders in der Islamophobie der AfD nieder. Conny Kerth machte deutlich, dass das islamophobe Argumentationsschema der AfD dem Antisemitismus der Nationalsozialisten gleicht, wo der Islam zum inneren und äußeren Feind ,deutscher Interessen‘ erklärt wird.

Was hat das alles mit LGBT zu tun? Mit den Vorträgen und der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Mit der Figuration eines ‚homogenen Volkskörpers‛ wird jeder, der sich nicht nach der Norm ausrichtet, die dieses Bild reproduziert, zur Gefahr erklärt. Dementsprechend bekennt sich die AfD nicht nur zur „traditionellen Familie als Leitbild“, sondern sieht durch die „Umsetzung des „Gender-Mainstreaming-Projekts und die generelle Betonung der Individualität“, ihr Weltbild bedroht. Man kann sich vorstellen, wo LGBT da einzuordnen ist…

Die AfD hat mit ihrem Parteiprogramm deutlich den Willen bekundet, jeden gesellschaftlichen Fortschritt, der die Vielfalt von Geschichten und Lebensentwürfen innerhalb der Gesellschaft ermöglicht, drastisch zurückzudrehen. Wer noch glaubt, sie wäre ‚gar nicht so schlimm‛, dem sei die Lektüre des Programms empfohlen. Es steht alles da und es wird auch alles deutlich gesagt. Bleibt zu hoffen, dass möglichst Viele mindestens ebenso deutlich ihre Stimme dagegen erheben.

Die Veranstaltung im Pride House hat mit sehr guten Beiträgen gezeigt, wie das gehen kann.