Grundeinkommen


Grundeinkommen

 

 


Selbstbestimmt und Grundeinkommen - und was hat das mit der Homo-Ehe zu tun?


Sitzen wir nur noch am Strand und genießen das Faulsein, wenn unsere Grundbedürfnisse durch ein Grundeinkommen finanziert wären?Mit dem Grundeinkommen eine ruhige Kugel schieben?

Nein, nicht nur, war zumindest die verbreitete Meinung auf der Diskussionsveranstaltung "Selbstbestimmt und Grundeinkommen", die der Lesbenverein Intervention zusammen mit der AG Queer der Partei "Die Linke" im Rahmen der Pride Week 2014 durchführte.

Viel eher sei zu erwarten, dass die Menschen ihre Zeit dafür nutzen werden, sich selbstbestimmt für die Gesellschaft einzubringen. Ob dies als Gärtnerin oder Abwasseringenieurin geschieht, ob ich mein Wissen erweitere oder Kinder betreue, ein Buch schreibe oder politische Konzepte entwickle, spielt dabei keine Rolle. Arbeiten sei dann eben nicht mehr fremdbestimmte Lohnarbeit, sondern jedes Engagement im Sinne der Gemeinschaft.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Nunja, ob dieses optimistische Bild bereits in naher Zukunft Wirklichkeit werden wird, da lag dann doch Skepsis im Raum. Die vergangenen Jahrzehnte, Konsum, fremdbestimmte Arbeit, Bezahlung gegen Leistung, haben die Gesellschaft geprägt. Die Vorstellung einer freien Entfaltungsmöglichkeit und eines selbstbestimmten Lebens, das eine bedingungslose Absicherung unserer Grundbedürfnisse mit sich bringen soll, brauchen wahrscheinlich eine genauso lange Zeit, um erlernt zu werden und uns neu zu prägen.

So breit die Diskussionen um die Ausgestaltung und Finanzierung eines Grundeinkommen auch sind, gemeinsam haben sie den Ansatz, dass die soziale Absicherung über ein Grundeinkommen personengebunden über den Staat organisiert und abgesichert wird. Heute sieht unser Gesellschaftssystem für diese Absicherung vor allen Dingen die Ehe vor. Der Staat gibt dies als das favorisierte Modell vor und fördert es mit finanziellen und rechtlichen Anreizen. Möglichst langlebige Zweierbeziehungen, die sich gegenseitig sowie ihre Kinder und andere Angehörigen mit absichern, verlagern die Verantwortung füreinander in die Familien. Nicht der Staat (und damit wir alle solidarisch füreinander) ist zuständig, sondern jede muss sich selber darum bemühen, sich in eine möglichst absichernde Beziehung zu begeben. Der Staat spingt nur im Notfall ein, wenn alle anderen Ressourcen erschöpft sind. Und auch dann nur auf der allernötigsten Ebene.

Nun dürfen sich zumindest auch Lesben und Schwule in Zweierbeziehungen endlich über die Ehe absichern. Und sie jubeln. Da die Rechtslage so ist, wie sie ist, ist dies notgedrungen ein notwendiger Schritt. Aber ist dies gesellschaftlich gesehen wirklich ein Fortschritt? Auf der Veranstaltung im Pride House gab es einige Einwände, dass der große Jubel nicht angebracht ist. Durch den kräfteraubenden Kampf für die Homo-Ehe und die Auseinandersetzung über das Recht auf die gleiche bürgerliche Spießigkeit wie der heteronormative Rest der Gesellschaft wird die eigentliche Diskussion über ein selbstbestimmtes Leben in selbstgewählten Zusammenhängen und Beziehungen weiter zurückgeworfen, als sie schon mal war.

Bei der Veranstaltung im Pride House stand nun die Frage im Raum, wie bereits durch ein verstärktes Engagement für ein Grundeinkommen diese Themen wieder stärker in den Fokus der Diskussion rücken können. Es wurde jedoch deutlich, wie schwer es bereits den linken Lesben, Schwulen und Queers fällt, sich auf solche Gedankengänge einzulassen und die gewohnten Pfade der Diskussion des Für und Widers und der Ausgestaltung eines Grundeinkommens zu verlassen.
Noch schweigsamer wurde die Runde bei der Frage, ob und wie der historische und aktuelle gesellschaftliche Blickwinkel von Lesben, Schwulen und Queers von außerhalb der heteronormativen Norm die Diskussion um ein Grundeinkommen bereichern kann.


Verschiedene Modelle zum Grundeinkommen finden sich hier
https://www.grundeinkommen.de/content/uploads/2012/08/12-06-modelle-tabelle.pdf

Diskussion auf l_talk mit weiteren Links
http://www.l-talk.de/gesellschaften/lesbisches-am-bedingungslosen-grundeinkommen.html
 

Kurz und knapp einige der Fragen, die es zum Grundeinkommen zu diskutieren gilt:

  • Ist ein faires Grundeinkommen nur im globalen Maßstab möglich?
  • Ist ein Grundeinkommen der vielversprechendste Weg, Unterschiede im Lohnniveau von Männern und Frauen auszugleichen?
  • Funktioniert ein Grundeinkommen von jetzt auf gleich?
  • Wer profitiert am Ende vom Grundeinkommen, ist es gar das Kapital?
  • Sollte es uns misstrauisch machen, dass selbst Vertreter von Wirtschaftskonzernen sich für ein Grundeinkommen einsetzen?
  • Führt ein Grundeinkommen zur Überwindung des Systems, oder stabilsiert es dieses am Ende sogar, indem es einen sozialeren und menschlicheren Kapitalismus suggeriert?
  • Wie realistisch ist ein wirklich bedingungsloses Grundeinkommen in unserem Wirtschaftssystem?
  • Kann ein Grundeinkommen bedingungslos sein?
  • Welche (gesellschaftlichen) Voraussetzungen sind für die Einführung eines Grundeinkommens notwendig?

 


Foto Robben am Strand ©Lev-Fotolia.com
 

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