2004 Annette Schavan und die Lesben


2004 Annette Schavan und die Lesben

Brief an Annette Schavan

24.11.2004

Sehr geehrte Frau Ministerin,

wie wir der Presse entnahmen, haben Sie auf die „Gerüchte“, Sie seien lesbisch, mit der Äußerung reagiert, dies sei schäbig, absurd, Rufmord. Wir wissen nicht, welcher sexuellen Identität Sie sich zugehörig fühlen und finden auch, dass dies unerheblich ist. Die von Ihnen gewählte Formulierung „Rufmord“ und die damit verbundene Implikation, lesbisch zu sein sei per se etwas Verwerfliches, möchten wir nicht unkommentiert stehen lassen.

Zum einen können wir Ihnen versichern, dass es nicht schäbig ist, lesbisch zu sein. Die alltäglichen offenen und versteckten Diskriminierungen, die Lesben erleben, hingegen sind es.
Die Intention Ihrer politischen Konkurrenten, Ihnen durch die Behauptung, Sie seien lesbisch, zu schaden, zeigt deren Geringschätzung von Lesben. Ihre Reaktion auf diese Äußerungen ist ebenso eine Diskriminierung von Lesben.

Eine wünschenswerte Reaktion Ihrerseits hätte folgendermaßen aussehen können: Wenn Sie heterosexuell sind, hätten Sie dies erklären und gleichzeitig die Abwertung von Lesben, die in der auf Sie bezogenen Zuschreibung enthalten ist, als inakzeptabel zurückweisen können. Sollten Sie lesbisch sein, wäre von Ihnen als Trägerin politischer Verantwortung ebenfalls eine Zurückweisung der Diskriminierung von Lesben angebracht gewesen. Ein offener Umgang mit der eigenen sexuellen Identität ist zudem aus unserer Erfahrung zu empfehlen.


Eine spezielle Eignung für das Lesbischsein ist uns nicht bekannt. Um die Neigung und Lust dazu frei und ohne Einschränkung umsetzen zu können, bedarf es eines offenen gesellschaftlichen Klimas. Dieses wird jedoch auch durch die Form, in der über Ihre Person diskutiert wird, negativ beeinflusst. Eine klare Stellungnahme für die Akzeptanz von Lesben ist daher auch von Ihnen zu wünschen.

Mit lesbischen Grüßen

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