2012 Ablehnungsbescheid gegen Intervention


2012 Ablehnungsbescheid gegen Intervention

Hamburg, 3.5.2012

Die Stadt Hamburg bricht Zusagen
Lesbische Seniorinnen bald vor verschlossenen Türen?
Für die Justizbehörde sind Angebote für Lesben ab 50 nicht mehr förderungsfähig

Endlich erreichte Intervention e. V. heute der Bescheid über die seit 2006 geförderte „Psychosoziale Angebote für Lesben ab 50 Jahre“ für das laufende Jahr 2012 – ein Ablehnungsbescheid! Über vier Monate zu spät, in denen der Verein die Arbeit fortführte, Werbung machte, Gehälter zahlte! Ein unmögliches Verhalten gegenüber dem Verein und den Frauen, die auf die jetzt gestrichenen Angebote angewiesen sind.

Noch im Dezember 2011 wurde von der Justizsenatorin erklärt, die Förderung der Arbeit von Intervention sei nicht bedroht und die Stadt würde die Arbeit für Lesben weiterhin fördern.

Begründet wird die Ablehnung mit der angeblich gesunkenen Nachfrage seit 2010. Herausgepickt dafür werden einzelne schlecht besuchte Veranstaltungen.

Anhand von Zahlen entscheiden fachfremde Verwaltungskräfte über ein seit 2006 funktionierendes vielschichtiges und vor allem fachlich anerkanntes Projekt: Hier werden sowohl Einzelne als auch Gruppen begleitet, aktuell ein Unterstützungsring für kranke und mobilitätseingeschränkte Frauen aufgebaut,  zielgruppenspezifische Veranstaltungen durchgeführt und die Anfragen von Fachinstitutionen bearbeitet, etc. Jedenfalls bis heute!

Auch wenn Intervention Rechtsmittel einlegen wird, ist zu vermuten, dass der Kampf gegen den Goliath Justizbehörde und dem wohl dahinterstehenden politischen Willen der SPD-Regierung aussichtslos sein wird.

Gerade im Arbeitsschwerpunkt „Lesben und Alter“ erfährt Intervention bundesweite Anerkennung. Hamburg begeht einen großen Fehler in der Gleichstellungspolitik, anerkannte und notwendige Lesbenarbeit nicht mehr zu fördern!


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Hintergrundinformationen zum Weiterlesen:

Historie: 2009 wurde von CDU/GAL die Arbeitsstelle Vielfalt in der JB eingerichtet und somit das MHC und Intervention von der BSG in die Justizbehörde verlagert. 2011 entschied sich die SPD-Regierung, die Arbeitsstelle Vielfalt einzustellen, die Angestellten zu entlassen und das Referat Gleichstellung aufzubauen. Monatelang waren die Personalstellen vakant, wodurch u.a. keine Fachgespräche stattfinden konnten.  Zum 1.12.11 wurde das Referat dann mit – fachfremden - FachreferentInnen besetzt. In der Zwischenzeit hatten sich bei Intervention diverse Fachfragen angehäuft.

Dieser Ablehnungsbescheid ist der Gipfel einer Reihe von mündlichen Versprechungen und schriftlichen Ablehnungen von Seiten der Justizbehörde und der SPD  mit der Intervention e. V. seit Dezember 2011 konfrontiert ist.

Dass mit einer Förderung von JÄHRLICH (!) 9.500 € insgesamt mit 174 Frauen bei 742 Kontakten in qualifizierten Angeboten gearbeitet und viele neue Projekte angeschoben wurden, wird in der Ablehnung nicht berücksichtigt. Insgesamt wurden nicht signifikant weniger Frauen als in den vergangenen 10 Jahren erreicht (2007: 172, 2008: 192, 2009: 222, 2010: 174). Im gesamten Ablehnungsbescheid findet sich kein fachlicher Satz zur Arbeit mit älteren Lesben.

Allein in dieser Woche fanden / finden ein Interview mit einer Altenpflegezeitung zur Pflegesituation lesbischer Frauen in Hamburg, der Facharbeitskreis anders altern, eine Veranstaltung zum Besuchsdienst in Berlin, eine Selbsthilfegruppe für Lesben ab 50, die Bildung des Unterstützungsrings für ältere Lesben, der Vernetzung vorantreibende  Besuch der SENOVA und des Seniorentages und ein Workshop für Partnerinnen traumatisierter Frauen statt. Alles Bestandteile des abgelehnten Projekts.

Justizbehörde - Arbeitsstelle Vielfalt

Intervention, bzw. der Förderungsbereich gleichgeschlechtliche Lebensweisen fällt ab 2010 nicht mehr in die Zuständigkeit der Sozialbehörde, sondern die der Justizbehörde. Dort ist die Arbeitsstelle Vielfalt angesiedelt und im Referat Geschlechtergerechtigkeit werden Intervention und u. a. das MHC zugeordnet. Die öffentliche Förderung wird nicht mehr vom Amt für Jugend, bzw. dem Referat für Gleichstellung kommen. Uns ist zugesagt, dass sich in der Förderung erst einmal nichts ändert.

 

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